Schlechte Prognosen für "Pay for Content"

Angeblich soll bezahlten Inhalten im Internet ja die Zukunft gehören. Zumindestens in der Einschätzung von Verlagen und Contentanbietern, die Ihre Online-Strategien vermehrt auf Pay for Content und Abodienste ausrichten. Das Ziel ist klar definiert: Die Gratis-Mentalität soll endlich durchbrochen werden. Aber anscheinend wollen sich die meisten Nutzer nicht einfach umerziehen lassen, wie vier neue Studien zu diesem Thema unabhängig voneinander übereinstimmend belegen.

Die Gesellschaft für Konsumforschung hat sich in einer Untersuchung mit der Frage befasst, inwieweit Nutzer bereit sein würden, für bisher kostenlos veröffentlichte Onlineinhalte zukünftig Geld auszugeben. Das Ergebnis ist für Anbieter von kostenpflichtigen Angeboten ziemlich ernüchternd: Eine generelle Zahlungsbereitschaft gibt es nur für zielgruppengenaue Premiumangebote, und auch hier ist sie sehr gering und nur 22% der qualitätsbewußten Onlinenutzer wären bereit für Online-Content zu zahlen. Der überwiegende Anteil der Nutzer würde hingegen auf kostenlose Angebote ausweichen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam auch eine Untersuchung die das Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag der Fachzeitschrift Absatzwirtschaft durchgeführt hat. Zwei Drittel der Leser von Online-Zeitungen lehnen das Bezahlen für Inhalte generell ab.

Das Schweizer Meinungsforschungsinstitut Prognos kommt zu dem Ergebnis, dass der Verkauf publizistischer Inhalte an Enduser im Internet auf kleine Marktnischen beschränkt bleiben werde. General-Interest-Inhalte haben kaum eine Chance auf direkte Finanzierung durch die Internetuser. Prognos warnt daher die Verlage vor einem übereilten Umstieg auf das Bezahl-Modell, das viele Nutzer verärgern und im schlimmsten Fall das Image der Offline-Marke beschädigen könne. Auch langfristig wird im Erlösmix von Online-Medien der Anteil der Werbeeinnahmen den Anteil der direkten Erlöse (Pay-Content) um ein vielfaches übersteigen.

Und auch die aktuelle W3B-Untersuchung von Fittkau und Maaß stützt die Ergebnisse der anderen Studien. Nur 20 Prozent der Nutzer seien bereit, für Online-Informationen, Software-Nutzung und Datei-Download zu bezahlen, genau so viele wie im vorigen Jahr. Die Hälfte der Nutzer lehne dies grundsätzlich ab, rund 4 Prozent mehr als im Jahr 2001. 12,8 Prozent hätten sich noch keine Meinung zum Thema "Pay for Content" gebildet.

Surfer bevorzugen Monatspauschalen.
EAls Bezahlmodell für Web-Inhalte bevorzugen die deutschen Internetnutzer übrigens eindeutig Monats-Pauschalen. Pay-per-Click-Angebote werden dagegen mehrheitlich abgelehnt. Bei kostenpflichtigen Online-Tageszeitungen wollen 46 Prozent aller Befragten einen festen Monatsbetrag bezahlen, 31 Prozent bevorzugen Pay-per-Click. Auch das ist ein Ergebnis der bereits zitierten Emnid.-Umfrage.

 
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