Im Rahmen unserer Projekte kommt es immer wieder vor, dass Mitarbeiter unserer Kunden bei der Texterstellung miteinbezogen werden müssen. Zwar werden für Internetpräsentationen inzwischen immer öfter professionelle Texter verpflichtet, dennoch müssen sehr fachspezifische Texte, die einen engen Bezug zum Produkt oder technisches Hintergrundwissen voraus setzen immer noch von Mitarbeitern entwickelt werden, die zwar über hohes Fachwissen aber über wenig Texterfahrung verfügen. Und im Intranet ist aufgrund der unfassenden Textmenge und der erforderlichen hohen Aktualität die dauerhafte Einbeziehung von Textprofis fast nicht möglich.

Aber nicht jeder ist zum Schreiben geboren. Immer wieder merken wir, dass sich die einbezogenen Mitarbeiter unserer Kunden von umfangreichen Textarbeiten überfordert fühlen. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der "Angst vor dem weißen Blatt Papier" bis zur fehlenden Routine. Aber gutes Schreiben ist auch erlernbar. Zwar kommt es im Netz, das von Aktualität und Schnelligkeit lebt, weniger auf die geschliffene Formulierung an, dennoch müssen auch hier die elementarsten Regeln der Verständlichkeit eingehalten werden.

Schreiben sollte immer ein Dienst am Leser sein. Ein guter Autor sollte es seinen Lesern so einfach wie möglich machen, den Inhalt seiner Texte zu verstehen. Aber was macht einen Text verständlich? Mit dieser Frage hat sich in den 70er Jahren bereits der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun beschäftigt. Als Ergebnis seiner Forschung hat er die "vier Verständlichmacher" definiert.
Diese sind Einfachheit, Übersichtlichkeit, Prägnanz und Stimulanz.

Einfachheit
schlicht, eindeutig, einleuchtend
Übersichtlichkeit
geordnet, gegliedert, systhematisch
Prägnanz
knapp und treffend dargestellt
Stimulanz
anregend, animierend, motivierend

Einfachheit ist der wohl wichtigste Verständlichmacher. Auch für gute Texte gilt der altbekannte amreikanische Grundsatz "KISS-Keep it simple and stupid". Dennoch erscheinen viele Fachtexte im Internet oder Intranet immer noch unnötig kompliziert. Wahrscheinlich denken viele Autoren, dass Kompliziertheit und Unverständlichkeit ein Erkennungsmerkmal für einen anspruchsvollen Text seien. Aber gerade wenn ein Text im Internet oder Intranet am Bildschirm gelesen werden soll, kann er nicht einfach genug sein. Einfachheit bezieht sich dabei sowohl auf die Wortwahl wie auf die Art der Formulierung.

Konkrete Tipps:
- Bevorzugen Sie Hauptsätze. Vermeiden Sie Schachtelsätze. Lange verschlungene Schachtelsätze sind oft ein Zeichen dafür, dass ein Gedanke noch nicht zu Ende gedacht wurde. Die Nachrichtenagentur dpa gibt für ihre Journalisten als Zielvorgabe 20 Wörter pro Satz vor. Die "erlaubte Höchstgrenze" liegt bei 30 Wörtern.
- Vermeiden Sie so weit möglich Fachausdrücke, Fremdörter und Anglizismen. Wenn möglich sollten Fachbegriffe in einem Glossar erklärt werden.

Dieser Verständlichmacher bezieht sich auf die Gliederung und die Struktur des gesamten Textes. Je länger ein Text ist, desto wichtiger ist es, dem Leser stets auch den Aufbau des gesamten Textes zu verdeutlichen. Der gute Autor sollte sich also von Anfang an eine klare Gliederung für den ganzen Text erarbeiten.

Konkrete Tipps:
-Mindmapping hilft gliedern. Als ideale Gliederungshilfe empfehlen wir Mindmapping. Bei dieser Technik, die ebenfalls in den siebziger Jahren von dem Engländer Tony Buzan entwickelt wurde, wird vorab der Aufbau des Textes in Form einer Gedankenlandkarte entwickelt. Inzwischen gibt es auch sehr gute PC-Programme zur Entwicklung von Mindmaps, mit deren Hilfe auch fertige Gliederungen in Textverarbeitungsprogramme übernommen werden können. Ein weiterer Vorteil der Mindmapping-Technik ist auch, dass sie kreatives Arbeiten fördert und dem Autor fast automatisch die Angst vor dem "weißen Blatt Papier" nimmt.






- Zwischenüberschriften und Absätze erhöhen die Übersichtlichkeit. Für Online-Texte, die am Bildschirm gelesen werden, trägt die klare Gliederung der Textes in Absätze und die Einführung von Zwischenüberschriften wesentlich zur Übersichtlichkeit dar.

Dieser Verständlichmacher verlangt vom Autor sich auf das Wesentliche zu beschränken, es kurz, knapp und so präzise wie möglich darzustellen. Gerade Texte, die am Bildschirm gelesen werden, verlangen nach Kürze und Prägnanz. Bei allem Streben nach Kürze, sollte man sich aber davor hüten, alle Online-Texte nur noch im Telegrammstil abzufassen oder auf Bullet-Point-Aufzählungen zu reduzieren. Denn auch übertriebene Verkürzung kann die Verständlichkeit und den Lesekomfort einschränken. Prägnant geschriebene Texte sind knapp und konzentriert formuliert; sie vermeiden Wiederholungen und Phrasendrescherei.

Konkrete Tipps:
- Tabellen einsetzen. Tabellen können auf einfache Art Gegenüberstellungen verdeutlichen.
- Lange Texte in handliche Portionen aufteilen. Bei längeren Textportionen kann es sinnvoll sein, sie in mehrere kürzere Einheiten aufzuteilen und per Hyperlink miteinander zu verbinden.
- Vorab kurz anteasern. Teasern Sie längere Texte mit einer knapp formulierten Zusammenfassung an. Der Leser kann dann schneller entscheiden, ob es sich für ihn lohnt den ganzen Text zu lesen.

Je ansprechender und interessanter ein Text gestaltet ist, desto verständlicher wird er. Auch das Lesen von Fachtexten soll Spass machen und den Leser nicht nur intellektuell sondern auch gefühlsmäßig ansprechen. Die moderne Gehirnforschung hat längst erkannt, dass effektives Arbeiten immer die ausgewogene Beteiligung beider Gehirnhälten erfordert. Während die linke Gehirnhälfte vorwiegend digitale Informationen (dazu zählt auch die Sprache) verarbeitet, ist die rechte Gehirnhälfte für analoge Informationen, das sind alle Arten von Bildern und Analogien, zuständig. Der gute Autor bereitet seine Texte also immer "gehirngerecht" auf und schafft es mit den verschiedensten Stilmitteln dem Leser ständig neue Leseanreize zu geben und ihm damit die Aufnahme des Inhals zu erleichtern. Zusätzliche Stimulanz ist als quasi das Salz in der Suppe, das Tüpfelchen auf dem i.

Konkrete Tipps:
- Verwenden Sie Bilder, Bilder, Bilder. Jede Grafik oder Chart, jedes Fotos und jede Skizzen sagen tatsächlich mehr als die sprichwörtlichen "tausend Worte".
- Setzen Sie sprachliche Stilmittel ein. Zitate, Vergleiche oder konkrete Beispiele erzeugen Bilder im Kopf des Lesers und verstärken dadurch das Verständnis.
- Mischen Sie die unterschiedlichen Textgattungen. Viele trockene Sachverhalte können auch in Form eines Interviews oder einer FAQ-Liste abwechslungsreicher vermittelt werden.

Übrigens: Für alle, die oft Texte für Online-Medien schreiben müssen, bieten wir im Rahmen unserer Schulungsangebote eine Web-Schreibwerkstatt an. Im Rahmen dieses eintägigen Workshops gehen wir auf die hier angesprochenen Punkte detailliert ein und vermitteln anhand von vielen Praxisbeispielen Techniken für effektives Schreiben im Internet und Intranet.

 










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