Der Grundstein zu Typo3 wurde bereits 1997 gelegt, als Kasper Skarhoj im Rahmen seiner Tätigkeit bei superfish.com feststellte, dass es immer mehr Kundenanforderungen nach komfortablen Pflegetools für Internetseiten gab, die auch von Laien bedienbar sind und vor allem das Layout der Seiten wahren sollten. Aus diesen Anforderungen entstand bis Herbst 1998 die erste Version von Typo3, die unter anderem in Kooperation mit der dänischen Niederlassung von Saatchi & Saatchi produktiv eingesetzt wurde. Im Sommer 1999 trennte Skarhoj sich von superfish.com, nahm alle Rechte an Typo3 mit und stellte es unter die GPL. In den nächsten Jahren gab es mehrere Beta- Versionen von Typo3, die in der Open Source- Gemeinde ausführlich diskutiert und gestestet wurden. Im Frühling 2002 wurde das erste offizielle Release von Typo3- mittlerweile schon in der Version 3.0- veröffentlicht. Heute ist bereits Version 3.50 verfügbar, es hat sich eine große Community gebildet und Typo3 wird regelmäßig von der Fachpresse erwähnt (PHP Mag, c’t, ix).

Typo3 kann sowohl zum Pflegen von Webauftritten wie auch zum Management von einfachen Portalen und Intranets eingesetzt werden. Durch die obligatorische Trennung von Content und Layout können unterschiedliche Ausgabeformate bedient werden (HTML, PDF, XML etc.). Schon in der Grundausstattung stehen vielfältige Content- Typen zur Verfügung. Neben der Möglichkeit zur Eingabe von Plain Text oder HTML- Quelltext bietet das System auch ein WYSIWYG- Tool, den so genannten „Rich Text Editor“. Dieser funktioniert momentan nur mit Microsofts Internet Explorer da er auf ActiveX basiert, eine Java- Version, die auf allen modernen Browsern funktionieren soll, ist aber für eine der nächsten Versionen in Planung.
Weitere Features sind unter anderem:
  • Mehrsprachigkeit
  • Mandantenfähigkeit
  • Automatische Linküberprüfung
  • Datei- und Bildverwaltung
  • Frontend Editing
  • Integrierte Suchmaschine
  • Caching
  • LDAP- Anbindung über Extension
Sind die out of the box gebotenen Möglichkeiten nicht ausreichend, kann das System um (eigene) Module (so genannte „Extensions“) erweitert werden. Gerade darin liegt eine besondere Stärke von Typo3, der so genannte Extension Manager. Der Extension Manager erlaubt das Nachinstallieren von Modulen mit nur wenigen Klicks. So kann man beispielsweise schnell ein Modul zur Anzeige von Bildergalerien installieren und dieses in kürzester Zeit produktiv in die Seite einbinden. Da Typo3 Open Source ist und von einer mittlerweile sehr großen Community getragen wird, existieren inzwischen schon viele solcher Module, die allesamt kostenlos nutzbar sind. Die Module sind unter typo3.org im so genannten Extension Repository verfügbar. Findet man unter diesen Modulen kein für die eigenen Anforderungen passendes, kann man mit Hilfe des Extension Kickstarters mit wenig Aufwand ein neues erstellen und in Typo3 integrieren. Dieser Vorgang läuft in Typo3 über ein grafisches Interface, bei dem das Einbinden des Moduls sowie das Anlegen von Datenbanken etc. von Typo3 übernommen wird. Außerdem stellt das System für einen einmal auf diese Art angelegten Datentyp automatisch alle benötigten Funktionen zur Datenverwaltung bereit. Das Programmieren der Funktionalität der eigenen Extension bleibt dem Anwender überlassen. Dabei kann er aber auf das umfangreiche Framework zurückgreifen.
Alles was in Typo3 konfigurierbar ist wie z. B. Templates, Extensions, Benutzerrechte etc. wird über die systemeigene Scriptsprache TypoScript gesteuert. TypoScript ist ähnlich der Windows- Registry eine Sammlung von Schlüsseln und Werten. Diese mächtige Scriptsprache stellt allerdings auch die größte Hürde für Einsteiger dar, da sie anfangs schwer zu durchschauen ist und erschlagend wirkt. Hat man aber einmal ein gewisses Verständnis aufgebaut, wird man nicht mehr auf diese Möglichkeit der Konfiguration verzichten wollen.
Ein weiteres wichtiges Feature in Typo3 sind die Grafikfunktionen. Über eine Anbindung des ebenfalls als Open Source verfügbaren ImageMagick lassen sich Grafiken on the fly erzeigen. So kann man beispielsweise grafische Menüs definieren, die dann gemäß den eigenen Vorgaben automatisch erzeugt werden. Weiter lassen sich beispielsweise Stile für grafische Überschriften definieren, die dann auf Basis eines im Backend eingegebenen Textes automatisch erzeugt werden. Unserer Erfahrung nach ist die Qualität des Ergebnisses aber je nach verwendeter Schrift und Version von ImageMagick unterschiedlich und nicht immer für professionelle Anforderungen geeignet.
Trotz der großen Funktionsvielfalt hat das System nur geringe Anforderungen an Hard- und Software. Das System basiert auf den Open-Source-Projekten PHP und MySQL. Als Webserver kann der ebenfalls freie und weit verbreitete Server Apache eingesetzt werden. Will man die Grafikfunktionen nutzen, kann man noch ImageMagick installieren, das wiederum kostenlos ist.
Natürlich hat Typo3 auch seine Grenzen. So gibt es beispielsweise keine Trennung zwischen Produktions- und Liveserver und der Workflow geht in der aktuellen Version nicht über die Möglichkeit hinaus, dass sich Benutzer untereinander Aufgaben zuweisen können. Weitere Einschränkungen sind das relativ komplizierte Benutzermanagement, bei dem man für Detaileinstellungen auf TypoScript zurückgreifen muss sowie das schwierige Customizing des Backends.
Eine in erster Linie wohl kosmetische Einschränkung sind die URLs der einzelnen Webseiten, die Typo3 standardmäßig in der Form www.domain.com/index.php?id=Seitennummer generiert. Die URLs lassen sich zwar bspw. mit Apaches mod_rewrite auf die Form www.domain.com/Seitennummer.html bringen, was jedoch für den Administrator mit einigem Aufwand verbunden ist. Wirklich aussagekräftige Adressen wie www.domain.com/kontakt.html werden sich wohl erst mit einer der nächsten Versionen von Typo3 erzeugen lassen, wenn es eine ausgereifte Publishing-Funktion geben wird.

Resumée: Kostenlos, leistungsstark, professionell einsetzbar
Insgesamt ist zu sagen, dass sich Typo3 in der oberen Mittelklasse der Content Management Systeme nicht hinter seinen kommerziellen Konkurrenten zu verstecken braucht. Das beweist nicht zuletzt auch die umfangreiche Referenzliste, in der unter anderem Firmen wie Aral, Jenoptik, Karstadt oder Magix zu finden sind.

Wir können Typo3 uneingeschränkt als Web Content Management System in allen Online-Projekten empfehlen in denen es weniger um die Integration von Drittsystemen oder extrem performancekritischen Anwendungen als um die Bereitstellung eines benutzerfreundlichen, kostengünstigen und flexiblen Pflege- und Verwaltungstools geht.

 



Typo3 listet die einzelnen Inhaltselemente übersichtlich auf

 



Durch TypoScript lässt sich in den Templates die Seite individualisieren

 



Über den Extension Manager können Erweiterungen einfach in das bestehende System integriert werden

 



Der RichText Editor ermöglicht das editieren der Seiten so einfach wie in einem Textverarbeitungsprogramm

 

 

 
 















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